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Picknick auf Sterne-Niveau, ganz ohne App

Earthwork Dining räumt Tisch, Teller, Besteck und Stuhl ab.

Eater beschreibt eine Idee, die sich Earthwork Dining nennt: kein Restaurant, kein Tisch, keine Teller. Bei einem Retreat in Upstate New York malte der Koch das Essen dabei direkt auf einen Felsen.

Charles Michel, Koch, Künstler und selbsternannter Food Futurist, grundiert die Steinfläche mit Essig und trägt darauf Pinselstriche aus Gemüsepürees auf, dazu Blüten und Gesammeltes aus der Umgebung. Ein Bild, das man isst. Die Gäste tunken Sauerteigbrot hinein. Michel macht diese Food Paintings seit fünfzehn Jahren, neu war diesmal, dass alles wegfiel: keine Tische, keine Stühle, keine Teller, keine Gänge, keine Trennung zwischen denen, die servieren, und denen, die essen. Ein großer Teil der Zutaten bestand aus Resten vom Vortag.

Earthwork Dining ist nicht ganz neu. Bei Farm Is Table auf einer Farm auf Long Island werden Tisch und Sitzflächen in die Erde gegraben, dreißig Gäste, 125 Dollar. Auf ausgedienten Bewässerungsrohren der Farm werden Austern serviert. In Marseille fand ein Bankett im Wasser statt, der Tisch gebaut aus den Paneelen einer alten Fischhändler-Kühlkammer.

Seit 1999 gibt es bereits Outstanding in the Field, die Reihe des Land-Art-Künstlers Jim Denevan. Er stellt lange Tafeln an Strände, in Felder und Obstgärten, und lässt das Menü von einem Koch aus der Gegend zubereiten. Aber Denevan behält die Form: Stuhlreihen, Tischdecke, Besteck, Geschirr. Das Drinnen wird nach draußen getragen und bleibt erkennbar.

In der Branche läuft das alles unter Immersive Dining, in derselben Schublade wie Formate, für die eine Menge aufgefahren wird: Projektionen auf Wänden, Duftsteuerung, Sessel, die einen samt Vorspeise durch den Raum fahren. Das ist beeindruckend und kann wirklich Spaß machen. Auf einem Felsen am Wasserfall übernimmt die Gegend dann den immersiven Part. Man sitzt einfach so lange, bis die Sonne untergeht - ein Effekt, der zuverlässig funktioniert und noch nie eine Rechnung geschrieben hat.

In der Entertainmentbranche geht ein erheblicher Teil des Budgets seit jeher dahin, ein Gefühl herzustellen: Studio, Artwork, Video, Produktentwicklung. Den Ausschlag gab dabei nie nur das Produkt, sondern auch die Illusion, dass es dieses eine Mal so ist und sonst nie wieder. Deshalb funktionierte die limitierte Erstpressung, während dieselbe Musik daneben unbegrenzt herumlag.

Dass auch Marken dieses Format nutzen, ist nicht überraschend - L’Oréal hat im vergangenen Winter für eine Influencer-Reise Tisch und Bänke in den Schnee der Savoie fräsen lassen, und ein Dinner in einem Steinbruch auf Menorca ging vor ein paar Jahren viral. Bilder, die im Feed funktionieren, sind ein legitimes Ziel, und wer solche Abende bauen kann, hat gerade ein gefragtes Handwerk. In Medien und auf Instagram-Accounts wurde zu diesen Anlässen bereits ausdrücklich Wert darauf gelegt, dass hier nichts generiert war. Ein Foto beweist halt nicht mehr, dass etwas wirklich stattgefunden hat.

Denevan zeichnet hauptberuflich große geometrische Muster in den Sand, angelegt darauf, dass die Flut sie wieder mitnimmt. Michel malt auf einen Felsen, der am nächsten Morgen kein Tisch, sondern eben wieder ein Felsen ist. Zwei Künstler, die Bilder herstellen, die nicht bleiben sollen. Daraus entsteht eine Nachfrage für ein Gastronomieformat mit künstlerischer und sozialer Komponente.

Der Sonnenuntergang lässt sich nicht wiederholen, und kein Video bringt ihn wirklich rüber: USP by Nature.

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Picknick auf Sterneniveau
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Quellen: Eater – The Rise of Earthwork Dining