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Gute Vibes, schlechte Vibes

Musiksoftware entsteht jetzt per Beschreibung statt per Code. Jetzt sind also die Werkzeuge der Werkzeuge an der Reihe, und davon gibt es bald noch sehr viele mehr.

Auch in der Musiksoftware setzt sich Vibe Coding durch: Man beschreibt in normalen Sätzen, was ein Programm können soll, und die KI baut es. MusicTech hat Entwickler gefragt, was das mit ihrem Beruf macht. Die Antwort überrascht nicht: es gibt immer noch viel zu tun.

Plugins sind Softwaretools, die in jeder Musikproduktion stecken: Hall, Kompression, virtuelle Instrumente. Bisher war ihre Entwicklung ein Job für Spezialisten, von denen es nur wenige gibt. Casey Kolb, Chef von Lunacy Audio, berichtet, dass seine Sounddesigner mit KI-Unterstützung nun in zwei Tagen bauen, wofür sein Entwicklerteam vorher ein Jahr brauchte. Der Ablauf ist simpel: aufschreiben, was die Software können soll, bauen lassen, anhören, sagen was fehlt, neu bauen lassen.

Genau da trennt sich der gute Vibe vom schlechten. Wer präzise formuliert, bekommt ein Werkzeug. Wer sich keine Mühe gibt oder dran vorbei vibed, bekommt Mittelmaß. Der Begriff verspricht Leichtigkeit und fordert neue Skills: Man muss vorher wissen, was man will, und zwar am besten so genau, dass man es einem Fremden erklären könnte, bevor die U-Bahn-Tür wieder zugeht.

Der Plugin-Ordner vieler Musikschaffender ist der Tatort. Er ist voll mit Tools, von denen man nicht ganz genau weiß, was sie eigentlich tun. Sie alle versprachen Hoffnung - entweder auf den klanglichen Durchbruch oder die letzte Nuance, nach der man schon so viele Nächte gesucht hat. Wenn zu meinem Ordner jetzt potenziell 59 weitere hinzukommen, die jemand an einem einzigen Nachmittag zusammengeschrieben hat, fange ich vermutlich wieder mit etwas Analogem an. Nicht aus Nostalgie, sondern weil ein Gerät, das nur eine Sache macht, keine darüberhinausgehende Entscheidung von mir verlangt.

Der Plugin-Markt war schon überfüllt, als ein einzelnes Produkt Monate Arbeit gekostet hat. Schrumpft das auf zwei Tage, wächst nicht nur das Angebot an Möglichkeiten, sondern auch der Aufwand, sich darin zurechtzufinden.

Kolb sagt selbst, er wolle sein kommendes Produkt, einen Marktplatz für Plugins, kuratieren, damit dort nicht alles landet, was technisch möglich ist. Sein Wort dafür ist tasteful. Der englische Begriff „Taste" (also nicht die Taste auf dem Synthesizer-Plugin) taucht in KI-Debatten immer an derselben Stelle auf: dort, wo beschrieben werden soll, was als menschliche Expertise bleibt, wenn das Herstellen wegfällt.

Für alle, die Werkzeuge verkaufen, heißt das: Ein weiteres Reverb trägt kein Geschäft mehr. Ein Ort mit kuratierter Auswahl schon.

Für Producer ist das Prinzip Vibe Coding eigentlich nichts Neues. Sie mussten Künstlern und Toningenieuren schon immer ihre kreative Vision vermitteln und so lange nachsteuern, bis das Ergebnis stimmt. Neu ist nur, wer am anderen Ende sitzt.

Früher hieß es, wenn nach Gold gegraben wird, verkauf lieber Schaufeln. Inzwischen wirft man einem die Schaufeln hinterher. Man sollte vielleicht wieder nach Gold graben.

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Gute Vibes Schlechte Vibes
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Quellen: MusicTech – Vibe coding has come for music plugins